blog Titelgedanken

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... mit mehr eigener Ruhe und großzügigerer Gelassenheit durch das ganze Jahr gehen.

meine Mitleser im Gras-Geflüster.blog

Mittwoch, 25. Januar 2012

eine Flaschenpost auf dem Weg nach Hamburg

Dieser Mittwoch ist seit langem wieder einmal ein Tag ohne Regen gewesen, ein Tag mit einigen Versuchen der Januarsonne, uns Menschen mit Glückshormonen zu versorgen. Doch lange reichte ihre Kraft nicht aus, das spürten wir auf unserem Spaziergang durch den Park von Schloß Pillnitz ganz deutlich. Obwohl die Anzeige im Auto hoffnungsvolle 5 Grad Plus verhieß, war die gefühlte Temperatur auf Grund der feuchten Luft und des scharfen Windes wesentlich niedriger. Aber wenigstens fiel kein Regen und kein Schnee vom Himmel, also los zum ausgiebigen Spaziergang zur Stärkung des Herzens. Wenn schon die Sonne bei den Glückshormonen versagt, dann müßte es doch anderes Glück zu finden geben. Auch im Antiquariat war es nicht zu finden, das Glück, z.B. bei der Suche nach einem ganz bestimmten Kochbuch aus dem Jahre 1953. Von dieser erfolglosen Suche auf den Innenhof des Schlosses Pillnitz zurückgekehrt, maschierten wir los ans Ufer der Elbe.

Schon bei der Anfahrt von Dresden beunruhigte uns der hohe Wasserpegel der Elbe und deshalb mochten wir das gesamte Ausmaß persönlich in Augenschein nehmen. Doch was war das? Wenige Meter vor der berühmten Freitreppe zu Fuße des Wasserpalais von Pillnitz lag am Ufer der Elbe schon mehr auf der Wiese als noch im Wasser schwimmend eine durchsichtige Flasche aus hellem Kunststoff. Ich machte mir weniger Gedanken darüber, welches zuckerübersüßte Getränk einmal darin enthalten gewesen sein musste. Mein Interesse erweckte ein auffälliger, weißer Zettel im Innern der Flasche. Weißer Zettel, Flasche drum herum, Stöpsel obenauf, wasserdicht verpackt ---- das kann nur eine Flaschenpost sein. Woher mag sie kommen, vom Ursprung der Elbe? Um das zu klären, bewegte ich mich wie ein Astronaut auf dem Mond mit vorsichtigen Schritten den steilen, matschigen Hang bis zur Elbe hinab. Ob Ina bei dem Anblick lachen musste oder sich Sorgen machte, kann ich nicht sagen. Ich hatte mit mir und mit der Kamera in der Hand zu tun.


Eine Flaschenpost, es ist tatsächlich eine Flaschenpost. Im ihrem Innern verbarg sie einen handgeschriebenen Zettel und den trockenen Stengel einer vom letzten Herbst her stammenden Wiesenblume. Relativ einfach fischte ich das Brieflein aus der Flasche heraus. Da lag es nun vor uns in der Wiese und der Inhalt zauberte uns beiden gleichsam ein Lächeln ins Gesicht.


Ina meinte augenblicklich, jetzt musst du der Pauline auch antworten. Schatzsucher, toll --- das hast du nun davon. Im nächsten Schritt gaben wir die beide Dinge wieder in die Flasche hinein, verschlossen diese ganz fest und mit einem gezielten Wurf flog sie so weit es ging hinaus in Richtung der Fahrrinne der Elbe.


Eine ganze Weile beobachteten wir den Tanz der hellen Flasche mit ihrer wichtigen Botschaft im Bauch auf den kurzen Wellen des januarkalten Elbwassers. Dann nahm sie zu unserer Freude ohne Probleme die erste Hürde auf dem erneut gestarteten Weg nach Hamburg. Es ist die Elbfähre von Pillnitz gewesen.


Mal sehen, ob eine auch hier im blog kommentierende Hamburgerin diese Flaschenpost in ein paar Wochen auffischen kann. Das wäre doch ein Ereignis, von Pirna über Schloß Pillnitz bis nach Hamburg, kaum vorstellbar....

PS: Am Abend kauften wir in der Altmarktgalerie eine Dresdner Ansichtskarte und eine Briefmarke mit dem Motiv des Pillnitzer Schlosses. Nun liegt sie beschrieben auf unserem Tisch und morgen geht sie zu Pauline elbaufwärts bis nach Pirna auf die Reise. Das übernimmt in diesem Falle und ausnahmsweise die Post. Schauen wir mal, wer eher ankommen wird.....

Kommentare:

schöngeist for two hat gesagt…

ach was war ein Erlebnis, wie schön so eine Flaschenpost!
Ich hoffe dass sie weiter gefunden wird wäre super...
es ist wie so ein kleiner Schatz in unseren Herzen wenn so was geschieht und ich wünsche der Paulina und euch zwei mit viel Glück und Freude mit eure Postkarte.

Lieben Gruss Elke

Anonym hat gesagt…

Solch eine Überraschung erlebt man ja wirklich nicht alle Tage und wer weiß, vielleicht findet diese Neu-Hamburgerin die Flasche ja wirklich irgendwann - mit ganz viel Glück... Wir hatten gestern den ganzen Tag die Sonne bei uns in Hamburg, daher schien sie wohl nicht bis nach Dresden? ;) Habe einen ausgiebigen Spaziergang an der Außenalster unternommen. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich das zu dieser Jahreszeit noch nie getan habe - war super schön.
Was für ein Kochbuch suchst Du?
LG die Elbe hinauf
B.

anja+ hat gesagt…

Hallo,

das ist ja wirklich ein schönes Erlebnis :-)
Hätte jetzt richtig lust auch eine Flaschenpost zu verschicken.

Alles Gute
anja und co

Egbert Büschel hat gesagt…

@ Elke: es wäre schön, vom Fortgang der Flaschenpostgeschichte noch einiges erfahren zu können, doch das liegt nicht mehr in unseren Händen. Lass und geduldig warten.

@ B.HH: an der Außenalster entlang zu laufen hat was für sich und wenn denn auch noch die ganze Dresdner Sonne dort angekommen ist, doppelt so schön...
Das Buch trägt den Namen "Unser Backbuch"; erschienen 1953 im Verlag für die Frau; Leipzig; 128 Seiten; Pappeinband mit zwei orangenen Deckeln; Preis damals 4,20 DM; Das Buch kann man sofort im Internet bestellen. Doch ich nehme solch alte Bücher gerne vorher in die Hand und blättere ein wenig darin herum. Das geht im Internet nicht, deshalb die steten Anfragen an das Glück, das antiquarische.

@ Anja & Co: ich freue mich über deinen Kommentar und vielleicht schaust du mal wieder vorbei. es würde mich freuen.

Smilla hat gesagt…

Oh ich habe auch gelächelt.... habe als "junge Pauline" auch einmal einen Flaschenpost die Thur hinunter geschickt.... Aber da war eben kein E.Wuschel mit Frau, die meine Botschaft gefunden haben....
bbbbb

anja+ hat gesagt…

Wir schauen gerne wieder vorbei :-)
Liebe Grüße
anja und co

dicke, alte Frau hat gesagt…

Lieber Egbert und liebe Ina, das ist eine schöne Geschichte. Bin mal gespannt, ob Ihr noch was davon hört.
Ganz herzliche Grüße, die Christiane

malesawi hat gesagt…

Als Kind habe ich auch einige Flaschen mit Post auf den Weg gebracht. Es hat was faszinierendes, sich vorzustellen, welchen Weg sie schwimmt und wer sie findet. Natürlich habe ich nie eine Antwort bekommen. Ich glaube, ich hatte auch nicht meine Adresse angegeben.
Liebe GrüßE1

zeder hat gesagt…

Eine Flaschenpost habe ich noch nie auf die Reise geschickt, werde das unbedingt nachholen.
Danke für deine Geschichte,
liebe Grüße von der Spree aus B,
Uwe-Jens